Börse Frankfurt 07.01.2009 17:49

7. Januar 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Kurz nach dem Jahreswechsel kratzt der DAX® an der wichtigen Marke von 5.000 Punkten. Dennoch bleibt die Stimmung schlecht: ?Vor allem der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine sorgt derzeit für Unsicherheit?, berichtet ein Händler. Auch Markttechniker malen ein eher düsteres Bild und rechnen für die erste Jahreshälfte 2009 mit einer weiteren Korrektur an den internationalen Kapitalmärkten.

Der Handel mit Indexfonds auf den deutschen Leitindex DAX® ist heute bei sehr geringen Umsätzen uneinheitlich. So überwiegen die Käufer sowohl beim Indextracker iShares DAX (DE) (WKN 593393) als auch beim db x-trackers ShortDAX ETF (WKN DBX1DS), der die Entwicklung des deutschen Leitindex invers abbildet. Der iShares DJ EURO STOXX 50 (WKN 593395) wird hingegen eher verkauft, ebenso wie der db x-trackers DJ Euro STOXX 50 Short ETF (WKN DBX1SS).

Bis zum Mittag verliert der DAX 0,78 Prozent auf rund 4.988 Punkte.

Im Abwärtstrend

Klähn

Nach Ansicht von Andreas Klähn, technischer Analyst der SEB Bank, befindet sich der deutsche Leitindex nach wie vor in einem intakten Abwärtstrend: ?Das technische Umfeld präsentiert sich weiter schwach. Die langfristigen Trendindikatoren MACD und Momentum bescheinigen einen rekordhohen Überhang an Abwärtspotenzial und -dynamik. Beide Indikatoren zeigen eine fallende Tendenz, so dass von dieser Seite keinerlei Entspannungssignale zu verzeichnen sind?, erklärt der Analyst. Etwas besser zeigten sich hingegen die mittelfristigen Indikatoren. ?RSI und Stochastiks haben sich im überverkauften Bereich stabilisiert. Der RSI deutet sogar einen Dreh nach oben an.? Von einer nachhaltigen Aufwärtsdynamik könne aber nicht gesprochen werden, bestenfalls von einer Stabilisierung. Dafür spreche auch die anhaltend hohe Volatilität an den internationalen Aktienmärkten. ?Die Schwankungsintensität hat sich in den vergangenen zehn Monaten mehr als verdoppelt. Eine solche Volatilität ist nicht gerade ein Indiz dafür, dass sich die Situation entspannt hat, sondern vielmehr ein Anzeichen für große Nervosität?, meint Klähn.

?Kursimpulse sind Mangelware?

Henke

Christian Henke von der WestLB teilt diese Einschätzung. Wie der technische Analyst erklärt, zeige die 200-Tage-Durchschnittslinie der großen Indizes unverändert gen Süden, was für eine Fortsetzung der Baisse spreche. ?Bislang haben die Aktienindizes die Jahrestiefststände von Ende Oktober und November nicht mehr unterschritten. Wird nun jedoch eine neue Abwärtsbewegung eingeleitet, könnten diese Tiefs erneut getestet werden.? Zwar hält Henke auch kurzfristige Gegenbewegungen nach oben für möglich, an der schlechten Verfassung der Markttechnik ändere dies jedoch nichts: ?Kursimpulse sind vorerst Mangelware.?



?Gut 20 Prozent Abwärtsdruck?

Pessimistisch blickt auch Armin Schmitz von der Börsen-Zeitung auf die erste Jahreshälfte: ?Solange sich die Credit Spreads, d.h. die Renditespannen zwischen Staats- und Unternehmensanleihen gleicher Laufzeit, nicht wieder einengen, bleibt die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Korrektur hoch. Es ist daher zu erwarten, dass die Aktienmärkte in der ersten Jahreshälfte 2009 noch einmal unter Druck geraten und die Tiefstände des Vorjahres zumindest getestet werden.? Zudem spreche die Intermarket-Analyse von Aktien und Renten gegen eine baldige Erholung der Aktienmärkte. ?Wenn der Aktienmarkt den Rentenmarkt bestätigt, dann liegt das Abwärtsrisiko derzeit bei gut 20 Prozent?, schätzt der Finanzmarktjournalist.

Stimmung verschlechtert sich

Nach dem Ergebnis der aktuellen Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren hat das Bärenlager im Vergleich zur Vorwoche leicht zugelegt. So haben sich 2 Prozent der Befragten Anleger von ihren Positionen in Bluechips getrennt. Beim TecDAX steigt die Zahl der Pessimisten um 4 Prozent. Dabei sind institutionelle Investoren noch schlechter gestimmt als Privatanleger. Die vollständige Analyse dieses Ergebnisses der heutigen Erhebung lesen Sie nachbörslich auf www.boerse-frankfurt.de/sentiment.

© 7. Januar 2009 / Karoline Koch

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